Im Herzen des Flughafenausbaus: Ein Bauleiter berichtet
Unser Kollege Tim Schultheis gibt spannende Einblicke in seine Arbeit als Bauleiter am Terminal 3 des Frankfurter Flughafens. Denn sowohl seine Rolle als auch das Projekt und der Bauherr bringen gleichermaßen schöne und herausfordernde Aspekte mit sich.
Beschreibe doch einmal bitte in Kürze deine Baustelle.
Im Rahmen der VE34 – Terminalnahe Oberflächen T3 – werden, wie der Name schon sagt, die Oberflächen rund um das Terminal 3 hergestellt. Diese Flächen beinhalten spätere Vorfeldflächen im Norden des Terminalhauptgebäudes, Betriebsflächen im Westen und Osten sowie öffentliche Bereiche im südlichen Bereich vom Parkhaus bis zum Anschluss an das Terminalhauptgebäude. Ebenso stellen wir den 5.500 m² großen Anlieferhof her, in welchem schon in einem Vorgängerprojekt (VE148) die Vorbereitungen getroffen wurden.
Der wesentliche Part dieser Maßnahme konzentriert sich jedoch auf den öffentlichen Bereich. In diesem stellen wir den kompletten Ankunftsbereich des Terminal 3 her. So werden auf ca. 700 m Länge von Einfahrts- bis Ausfahrtsschrankenanlage sämtliche Verkehrsflächen für Busse, Autos und Fußgänger erstellt. Hierzu gehören Straßen, Haltestellen, Gehwegflächen und Parkplätze. Tiefbautechnisch erfolgt der Ausbau einer vollständigen Oberflächenentwässerung der beschriebenen Flächen sowie die Kabeltiefbauinfrastruktur für Beleuchtung, Kameras sowie Parkscheinautomaten und dergleichen. Gesamtheitlich werden ca. 320 Kabelschächte verbaut.
Was findest du am spannendsten an einer Baustelle am Flughafen und im Speziellen am Terminal 3?
Am spannendsten ist es generell, eine Beschäftigung zur Erschaffung bzw. der Instandhaltung von Infrastruktur an einem derartigen Flughafen zu haben. Der Flughafen Frankfurt ist ein zentrales Drehkreuz für den Passagier- sowie Warenverkehr von großer regionaler, nationaler und internationaler Bedeutung. Das macht ihn ein Stück weit einzigartig und meine Tätigkeit somit noch besonderer. Allein diese Tatsache macht die Aufgabe hier schon fast ehrenvoll und lässt mich jeden Tag gerne hierherfahren.
Zudem kommt sicherlich auch etwas das Kind im Mann hoch, wenn man im Rahmen einer Vorfeldmaßnahme die Möglichkeit hat, mit dem Auto zwischen den Flugzeugen zu fahren. Für viele ist es sicherlich ein Kindheitstraum, der wahr wird, wenn man mal unter einer 747 in der Parkposition steht.
Bezogen auf das T3 muss ich sagen, erfüllt es mich mit großer Ehre, in diesem Projekt mitzuwirken. Immerhin ist oder war dies die größte Baustelle Europas. Dazu kommt, dass man sicherlich nur einmal im Leben die Möglichkeit bekommt, beim Bau eines Flughafenterminals mitzuwirken. Dies in den Außenflächen auf 77.000 m² zu tun, ist für mich als Bauleiter ein absolutes Prestige. Der Gedanke, hier später aus dem Urlaub zu kommen und auf seinen Abholer zu warten, auf Flächen, die man hier mit seinem Team geschaffen hat, ist einfach überwältigend.
Welche Herausforderungen treffen dich bei deiner täglichen Arbeit, die flughafenspezifisch sind?
Speziell und immer mit einem zusätzlichen Gedankengang versehen ist hier am Flughafen sicherlich die Logistik. Ob Personal, Geräte oder Baustoffe. Nichts kann einfach so auf deine Baustelle gelangen. Das Personal benötigt entsprechende Ausweise, Berechtigungen oder Schulungen. Kein Gerät oder Baustoff kann ohne Voranmeldung angeliefert werden. Einfach mal kommen ist nicht. Dies macht es teilweise auch sehr nervig, wenn mal wieder jemand irgendwo nicht reinkommt. Aber auch anspruchsvoll, was die Planung sowie entsprechende Vorbereitung angeht. Alles in allem muss man in das Flughafengame reinkommen und es leben. Dann geht auch das in Fleisch und Blut über. Am Ende des Tages hat nämlich doch der Hausherr (die Fraport) hier das Sagen.
Was im Speziellen das T3 angeht, treffen natürlich auch die obenstehenden Punkte zu. Was hier aber noch hinzukommt, ist die Tatsache, dass sich jeden Tag ca. 3.500 Personen auf der Gesamtbaustelle befinden. Dies hat zur Folge, dass hier die Abstimmung mit anderen Gewerken, Firmen sowie Projekten immens ist. Jeder Schritt will wohlüberlegt sein und bedarf vorab immer einer Prüfung der Baufreiheit. Teilweise werden Flächen für uns freigegeben und binnen einer Stunde durch Dritte wieder verstellt. Dieses Katz-und-Maus-Spiel macht es teilweise sehr anstrengend und nervig. Ebenfalls muss auch die Disposition von Liefermaterialien immer wohl überlegt sein. Zwar haben wir eine auskömmliche Lagerfläche, jedoch auch eine Vielzahl zu verbauender Materialien. So platzt unser kleiner Baustoffhandel fortlaufend immer mal aus allen Nähten. Da überlegt man sich zweimal, ob das Pflaster für die kommende Fläche mit 96 Zügen auf einmal bestellt wird.
Speziell ist auch der sehr hohe Qualitätsanspruch im Wohnzimmer der Fraport, wie wir es hier teilweise nennen. Ob Epoxidharzbeschichtungen in den Gehwegflächen auf Gussasphalt oder Natursteinborde aus Portugal in einem Puzzle aus 101 verschiedenen einzeln hergestellten Steinen. Die edlen Materialien wollen alle sauber und perfekt verbaut werden.

Bauleiter im Einsatz
Was sind deine Highlights bisher?
Die Highlights bisher sind im Generellen, die Baustelle mit einem Personalaufwand von ca. 40 gewerblichen Mitarbeitern (SPF und Bickhardt) wachsen und entstehen zu sehen. In den letzten Monaten lassen sich fast täglich immer mehr Strukturen erkennen, die zum großen Ganzen beitragen. Auch empfinde ich es als Privileg, während des Baus hinter die Kulissen eines Flughafenterminals schauen zu können. Den atemberaubenden Designer-Foodcourt sehen später eben nur die Fluggäste. Die dreistöckige Gepäckförderanlage sicherlich nur die späteren Mitarbeiter. Und auf dem Dach der Abflughalle werden wohl die wenigsten mal gestanden haben.
Was sind unschöne Begleiterscheinungen im Zusammenhang mit Baumaßnahmen am Frankfurter Flughafen?
AWARO und die damit verbundene Baustellendokumentation bzw. der Schriftverkehr sind sicherlich kein Vergnügen.
Auch die Logistik mit den oben beschriebenen Herausforderungen und einzuhaltenden Formalitäten sind manchmal einfach anstrengend. Die Komplexität macht zwar bisweilen auch Spaß, wenn man im besagten Flughafengame erst mal drin ist. Aber wenn vermeintlich einfache Dinge an Formalitäten scheitern und Zeit fressen, die man eigentlich nicht hat, nervt es eben auch durchaus mal.
Zusätzlich ist definitiv der immense Zeitdruck zu nennen, der speziell hier im Projekt herrscht, da die Eröffnung des T3 bereits für nach Ostern 2026 terminiert ist.
Welche Baumaschinen sind deine Liebsten und warum?
Meine liebste Baumaschine ist der Asphaltfertiger. Dieses hochtechnisierte Gerät fasziniert mich immer wieder. Die viele Technik auf engem Raum ist immer wieder verblüffend. Das Großartige am Einsatz dieses Geräts ist, dass man an Einbautagen immer einen sehr schnellen Werkserfolg feststellen kann. Morgens noch Schotter und abends schon eine riesige Fläche Fahrbahn hergestellt. Das macht einfach Spaß mit anzuschauen und belohnt das Ganze mit einer fertigen Oberfläche nach teilweise monatelangen Tiefbauarbeiten.
Ansonsten liebe ich Mobilkräne. Die sind einfach geil. Und eigentlich Bagger generell.
Autor: Tim Schultheis / David Halai