Präzision unter Herausforderungen: Ein Tag im Leben eines Vermessers
Als Bindeglied zwischen Planung und örtlicher Ausführung spielt die Vermessung eine gewichtige Rolle auf unseren Baustellen. Ohne unsere Absteckungen können Bauteile nicht bzw. nur mit sehr viel Aufwand hergestellt werden; geht es um Toleranzen unterhalb von 1 cm, ist eine Vermessung zwingend notwendig. Sobald die Bauteile, Flächen, Bordanlagen, etc. fertiggestellt wurden, müssen diese auch wieder in Pläne überführt, sprich aufgenommen werden – man ruft die Vermesser an.
Der Tagesablauf eines Vermessers
Der Tag als Vermesser beginnt in der Regel nach einem Ablaufschema. Auf der Baustelle ankommen, Geräte vorbereiten, Daten sichten, Auto beladen und sich mit den Polieren oder Bauleitern absprechen. So die Theorie. Im vermessungstechnischen Real Life verhält es sich oftmals so, wie es eine alte Weisheit der Bundeswehr besagt: „Nichts ist beständiger als die Lageänderung“.
Du bist vor Ort und überprüfst Maße – es passt nicht. Du betrachtest mit dem Polier zusammen die Pläne und stellst fest, dass wohl unterschiedliche Planversionen existieren. Folglich wird so lange telefoniert, bis eine Lösung für die Problematik gefunden wird. Dabei geht mitunter so viel Zeit ins Land, dass sich die eigentlich abgesprochenen Termine mit den anderen Polieren verschieben. Der beinahe tägliche Wahnsinn.
Besonders beliebt bei Vermessern ist die Tatsache, dass Gerätschaften und Fahrzeuge gelegentlich genau dort abgestellt werden, wo sie die Sicht auf die für uns so wichtigen Festpunkte zur Stationierung des Tachymeters behindern. Man muss sich das so vorstellen: Du kommst als Vermesser in deinem Messbereich an, verschaffst dir einen Überblick, suchst die relevanten Festpunkte und baust dein Messgerät entsprechend auf. Die Messung könnte also beginnen. Weit gefehlt!
Der erste Kollege parkt den Radlader so, dass die Schaufel im Weg ist und entfernt sich vom Fahrzeug. Na gut, nehmen wir einen anderen Festpunkt. Geht nicht, hängt ein Schlauch davor, der im Wind baumelnd ebenfalls die Sicht verdeckt. „Alles klar“, denkt sich der geübte Vermesser. Unser Festpunktnetz ist zum Glück gut ausgestattet und ich habe endlich zwei Festpunkte anmessen können. Der dritte Punkt ist ebenfalls sichtbar, ein Glück! Doch der Blick auf die Stationierungsgenauigkeit sagt nichts Gutes – scheinbar wurde die Laterne angefahren und die Koordinaten des Festpunktes sind somit für Tonne. Also neuen Punkt suchen und hoffen.
Ein solches Fallbeispiel entspricht tatsächlich der Realität und hat genau so schon stattgefunden. Von einer Regelmäßigkeit sind wir zum Glück aber weit entfernt und in den allermeisten Fällen herrscht freie Sicht. Vielmehr beschreibt diese Anekdote anschaulich, mit welchen Gegebenheiten sich Vermesser im Arbeitsalltag durchaus auch herumschlagen müssen. Es verlangt große Flexibilität, um sich auf unerwartete Umstände einzustellen und schnell zu reagieren.Der beste Freund und Helfer ist deshalb das Diensthandy. Leider zugleich auch der schlimmste Feind. Schnell mal die Kollegen angerufen, Problem erklärt, Problem gelöst – perfekt! Wäre da nicht der lästige Fakt, dass du als Vermesser ja auch angerufen wirst. Während der Messung kann es durchaus vorkommen, dass man mehrfach von etlichen Kollegen angerufen wird, wann du denn Zeit hättest für eine Absteckung oder Aufnahme. Da ist dann diplomatisches Vorgehen gefragt.
Fazit
Grundsätzlich und in den allermeisten Fällen laufen die typischen Vermesser-Tage geregelt und strukturiert ab. Man bereitet sich vor, bespricht den Ablauf mit Polieren und Bauleitern und arbeitet nach und nach die To-do-Liste ab. Da beinahe jeder Tag unterschiedliche Aufgaben und Besonderheiten mit sich bringt, wird es auch so gut wie nie langweilig.
Autor: Mario Kraus